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Kölner Stadtanzeiger vom 11. August 2018

Sopranistin Jana Marie Gropp und Kantor Carsten

Ehret begeisterten beim Orgelsommer


LEICHLINGEN -
Der Abendstern ist das hellste Gestirn außer dem Mond. Besonders prächtig sind die Planeten Venus und Merkur. In der Musik ist das Spektakel des hervortretenden Sterns nicht weniger beeindruckend. Der spätromantische Komponist Sigfrid Karg-Elert hat das Stück Abendstern in seinem Opus 98 Nummer 1 so sphärisch und ergreifend angelegt, dass sich der Zuhörer als Teil des Universums versteht. Wunderschöne Musik ist es, die der exzentrische Einzelgänger (1877-1933) da komponierte.

Solche Musik zu singen, das wiederum schafft kein Sternchen. Dazu bedarf es einer ausgereiften Musikerpersönlichkeit, die mit Klangvolumen, Tonfarben und Dynamik so sensibel und virtuos umzugehen versteht, dass sie in der Musik selbst zum hellsten Gestirn aufsteigt. Eine solche Persönlichkeit ist Jana Marie Gropp. Die Leichlingerin steht im Zenit ihres Könnens. Und ihr zuzuhören, ist mindestens so spannend, als besuche man eine Sternwarte. Ihr Auftritt im Rahmen des Leichlinger Orgelsommers kam dem gleich.

Kantor Carsten Ehret begleitete die Sopranistin an der Orgel, umsichtig darauf bedacht, den Spannungsbogen nicht abzubrechen, nichts zu übertönen oder im Tempo auszuscheren. Die beiden Musiker sind ein hervorragendes Gespann. „Barocke Lebensfreunde trifft auf impressionistische Klangfarben“ lautete das Motto des Konzerts. Alte Musik von Stefano Bernardi (1577 bis 1637), Antonio de Cabezón (1510 bis 1566) und Samuel Scheidt (1587-1654) stand auf dem Programm. Die beiden Musiker interpretierten Claudio Monteverdis (1567-1643) „O quam pulchra es“, in der Gropp die Bandbreite menschlicher Stimmungslagen von der Klage bis zum Jubel darlegte. Und Georg Friedrich Händels (1685-1759) „Da tempeste il legno infranto“ aus „Giulio Cesare“ kam quirlig-agil daher. Ehret scheint die Thesen eines Gerald Moore verinnerlicht zu haben. Der berühmte Korrepetitor schrieb das Buch „Bin ich zu laut? Erinnerungen eines Begleiters.“ Am Freitag, 31. August, 19 Uhr, ist Ehret in der Evangelischen Kirche Marktstraße wiederum als Solist mit Werken von Bach, Ligeti und Liszt zu hören.

Jana Marie Gropp, die ihre Ausbildung bei der Düsseldorfer Gesangsprofessorin Michaela Krämer (Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf) jüngst mit großem Erfolg mit dem Bachelor of Music abschloss, studiert an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf außerdem Medizin. Michaela Krämer ermutigte Gropp immer wieder, ihr Medizin-Studium fortzusetzen. Derzeit macht sie ihr praktisches Jahr in der Chirurgie am Leverkusener Klinikum. In zehn Wochen ist Prüfung. „Wenn ich den Arzt in der Tasche habe, werden ich ausprobieren, nur Gesang zu machen“, sagt sie. Denn wenn sie beides mache, wie in den vergangenen Jahren, könne sie sich einer Sache nie zu hundert Prozent widmen.

Vor acht Jahren machte die damals 19-Jährige ihr Abitur am Opladener Marianum. Dass sie Medizin studieren würde, war ihr damals schon klar. Außerdem entschied sie sich für das Gesangsstudium und begeisterte sich schon damals fürs Musicalfach. Jüngst sang sie in der Rocky-Horror-Picture-Show.

Im Dezember singt sie Händels Messias in der Kölner Philharmonie und an vielen Aufführungsorten widmet sie sich der Alten Musik. „Es läuft derzeit sehr gut“, freut sich die Musikerin, deren Aufstieg in der Musikszene vielleicht nicht kometenhaft, dafür aber sehr stetig und solide ist.

Der Leichlinger Orgelsommer geht bis zum 31. August und findet jeden Freitag um 19 Uhr in der Evangelischen Kirche Marktstraße statt. Der Eintritt ist frei.


 

 

Rheinische Post vom 14. August 2018

Sopranistin Gropp bereichert Orgelsommer

LEICHLINGEN (mkl) Beim 5. Konzert im diesjährigen Leichlinger Orgelsommer führte Kantor Carsten Ehret eine weitere Variante der vielen Möglichkeiten, die seine Königin der Instrumente in der evangelischen Kirche bietet, ein. Am vergangenen Freitag begegneten sich Orgel und menschliche Stimme. Genauer gesagt, der volle und wandelbare Sopran der Leichlinger Sängerin Jana Marie Gropp. Anmutig und mit sprudelnder Lebensfreude sang sie verschiedene Arien aus barocken Opern. Die begleitete Carsten Ehret ebenso wie die stilistisch völlig anders geartete dreiteilige Komposition „Les ángelus" von Louis Vierne am Ende des gemeinsamen Programms. Neben der Rolle als einfühlsame Begleiterin erklang die Orgel an diesem Abend auch solistisch. Passend zum Finale wählte der Leichlinger Kantor eines der bekanntesten spätromantischen Orgelstücke Viernes, die “Carillón de Westminster", eine impressionistische Fantasie über die bekannte Melodie der Glocken im Londoner Big Ben. Nächsten Freitag spielt Hans-André Stamm um 19 Uhr in der evangelischen Kirche.