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Rheinische Post vom 8. August 2017

 

Orgelmusik im Zeichen des Luther-Jahres


Die Burscheider Organistin Silke Hamburger präsentierte beim Orgelsommer auch einige eher unbekannte Stücke.
 
VON MONIKA KLEIN
LEICHLINGEN Die schönsten Luther-Lieder waren schon weg, als sie gebeten wurde, ihr Programm im Jahr des Reformationsjubiläums auf einen seiner Choräle abzustimmen, verriet Silke Hamburger, als sie die Zuhörer in der Evangelischen Kirche Leichlingen begrüßte. Zur Auswahl stand noch „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort", und da habe sie halt länger suchen müssen, um Bearbeitungen in der Musikliteratur zu finden. Ein Standard-Programm wurde es jedenfalls auf diese Weise nicht, und die Besucher lernten Stücke kennen, denen sie sonst vielleicht nie begegnet wären. Zum Beispiel der zum Thema passenden Choralimprovisation des im vergangenen Jahr verstorbenen Wolfgang Stockmeier, der sich im Prinzip auf den Anfang des ersten Liedverses beschränkte und dabei der erkennbaren Melodie eine untergeordnete Rolle einräumte. Seine Komposition, die Zwölfton-, Minimalmusic und weitere Stile miteinander verknüpft, ist mehr als klanglich-sinnliche Auslegung der ersten Textzeile zu verstehen. Wie ein Mantra wiederholt sich ein kurzes, mitunter geradezu nerviges Motiv eines hartnäckigen und fordernden Bittstellers: Erhalt uns!


Die Burscheider Organistin und seit Januar Kirchenmusikdirektorin, die schon mehrfach in dieser Reihe zu Gast war, hoffte mit diesem Stück - trotz mancher Befremdlichkeit -zumindest Interesse zu wecken für die Musik Stockmeiers, der mindestens ein mal im Leichlinger Orgelsommer gespielt hat. Das ist ihr definitiv gelungen, nicht zuletzt wegen der Effekte durch den Einsatz des lieblicher registrierten Fernwerks über dem Kircheneingang.

Und mit dem kleinen und schlicht gespielten Bach-Choral aus dessen Kantate „Bleib bei uns..." waren anschließend auch die letzten aufgewühlten Gemüter beruhigt. Mit hübschen Koloraturen versehen kam das Luther-Lied in der Bearbeitung von Dietrich Buxtehude über ruhigen Akkorden zur Geltung. Ganz klar erkennbar präsentierte sie den Cantus Firmus im verhaltenen Choralvorspiel von Flor Peeters. Und besonders viel Abwechslung, sowohl im Duktus als auch in der Klangfarbe, brachten die Choralvariationen op. 58 des Zeitgenossen Gunther Martin Göttsche.

Eingerahmt hat Silke Hamburger das kleinteiligere Programm zum Luther-Jahr mit zwei Schwergewichten der Orgelliteratur. Als kräftiges Eröffnungsstück stellte sie das große Praeludium e-Moll von Johann Sebastian Bach in scharfer Registrierung an den Anfang. Die dazugehörige Fuge spielte sie in forschem Tempo und mit aparten Wechseln zwischen den Orgelwerken vorne und hinten. Diese Möglichkeiten nutzte sie auch zum Konzert-Finale mit der Sonate f-Moll op. 65,1 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die vier Sätze mit ihren unterschiedlichen Stimmungen bedienen sich der Ausdruckspalette vom meditativen Gebet bis zum rauschenden Finale.