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Trauermusik von ergreifender Güte

Der neue Kantor Carsten Ehret bettete die Markuspassion in ein modernes Umfeld
von JAN STING

Leichlingen. „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Eines der letzten Worte Christi, ,,Eli! Eli!" hat der aus Budapest stammende György Bardos ( 1905 - 1991) für Chor vertont. Der  Figuralchor der Evangelischen Kantorei Leichlingen sang die Worte am Samstag in der evangelischen Kirche in einem besonderen Kontext. Eingebettet in die  Markuspassion des Barockmeisters Reinhard Keiser  (1674 -1739) klang die zeitgenössische Musik wie ein Kontrastprogramm.
Es zeigte, wie aktuell die Gefühlslage noch heute ist: Eine Gruppe stellt sich gegen eine Einzelperson, Spott und Häme, Vorurteil und harte Kommentare kommen zum Tragen. Der Chor, begleitet von der Bergischen Kammerphilharmonie, schaffte einen immensen Spannungsbogen der Trauermusik. Der Kniff, Zeitgenössisches wie in Zwischenblenden in die Passion zu setzen, verlangte vom Publikum in anderthalb Stunden äußerste Konzentration. Aber die gab es angesichts der musikalischen Qualität gerne.

Auch Paul Hindemiths Trauermusik für Bratsche und Streicher passte da hervorragend ins Programm. Der Solist Alexei Silbert spielte Hindemiths häufig aufgeführtes Werk ergreifend und ungemein sensibel.

Für König George V.
In Rekordtempo hatte es der Komponist geschrieben, nachdem die BBC ihr Programm vom 19. Auf den 20. Januar 1936 kurzfristig änderte. Der britische König George V war gestorben und Hindemiths Bratschenkonzert ,,Der Schwanendreher" wurde aus dem Programm genommen. Seine Musik jedoch sollte im Programm bleiben, so komponierte er in wenigen Stunden die Trauermusik für den König. Wenig Zeit brauchte offenbar auch Carsten Ehret, der die Gesamtleitung hatte, um mit den Musikern des Figuralchors und der Kammerphilharmonie auf einer Wellenlänge zu liegen. Erst im Dezember trat er die Stelle als Kantor in Leichlingen an.
Allerdings kann er sich auch glücklich schätzen, auf so gute Musiker in der Blütenstadt getroffen zu sein.
Als Solistin wirkte Jana Marie Gropp (Sopran) mit, ein Eigengewächs aus Leichlingen, die seit 2013 an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf studiert. Außerdem ist sie Studentin der Medizin und neben dem klassischen Fach auch auf so mancher Musicalbühne. Ihr Vortrag in der Kirche war von wunderbarer Klarheit und ließ mit den Gedanken gleich Ruhe finden, Kontemplation.
Drängend war der Vortrag von Johanna Werhahn (Alt), sie erfasste die Dramatik des Stücks kongenial. Auch Tenor Maximilian Fieth ist ein junger Nachwuchskünstler, der aufhorchen ließ. Den Bass sang  Christian Palm, ein international bewährter Konzertsänger.

Am 14. Juli beginnt der Leichlinger 0rgelsommer. Die Konzerte finden bis 1. September freitags um 19 Uhr in der Kirche an der Marktstraße statt.
Der Eintritt ist frei.