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Rheinische Post vom 8. August 2016

Orgelsommer: Iris Rieg besinnt sich auf die großen Komponisten

Vielleicht hätte sich der ein oder andere Besucher gewünscht, einer ihrer neuen Stücke zu hören
 

VON TOBIAS FALKE
LEICHLINGEN Wäre Petr Eben noch am Leben, wäre er sicherlich erstaunt gewesen, wie klar und anmutig seine „Hochzeit zu Kana" aus seinen vier biblischen Tänzen in der evangelischen Kirche an der Marktstraße gespielt wurde. Iris Rieg brillierte mit ihrer Interpretation. Bei den vier biblischen Tänzen wählte Petr Eben ein in der Orgelliteratur selten angewandtes Genre, nämlich das des rhythmischen Tanzes. Die Orgel und der kirchliche Raum führten ihn dazu, den spirituellen Charakter bewahren zu wollen, und deshalb entnahm er die Tanzmotive dem biblischen Geschehen.

Dies wurde auch am vergangenen Freitag deutlich. Doch nicht nur Petr Eben, der 2007 starb, stand beim Leichlinger Orgelsommer im Mittelpunkt. Johann Sebastians Bachs „Präludium und Fuge A-Dur", Felix Mendelssohn Barthol-dys „Sonate op. 65" und der Choral Nummer 3 von Cesar Franck gehörten zum Repertoire der Wahl-Kölnerin. Iris Rieg kommt gebürtig aus Schwäbisch-Gmünd, die 1972 geborene Künstlerin bestach schon früh mit ihrer Orgelmusik. Preise bei internationalen Orgelwettbewerben in Linz, Brixen, Fürth und Lauterbach machten sie bekannt, und so führte die Musik sie nach Paris in die berühmte Kirche Notre Dame, in den Kölner Dom und nach Berlin.

Nun war sie in der Leichlinger Kirche am Markt zu Gast und bot den Orgel-Liebhabern ein besonderes Konzert. Das rundum stimmige und fröhlich wirkende Stück mit den ernst klingenden Titel „Mein junges Leben hat ein End", war eines der Höhepunkte in ihrem Programm. Es stammte aus der Feder des des Niederländers Jan Pieterszoon Sweelinck, der in der Zeit des Barock unter anderem dieses Stück schuf, Mittlerweile hat Iris Rieg bereits einige Stücke selbst komponiert und die eine oder andere CD aufgenommen, die von Musikkritikern in höchsten Tönen gelobt wurden. Vielleicht hätte sich der ein oder andere Besucher gewünscht, einer ihrer neuen Stücke zu hören.

Doch die Herausgeberin einer Orgelschule huldigte lieber den großen Komponisten. So war es nur logisch, dass sie mit Impromtu aus den „Pieces de fantaisie" von Louis Vierne ein Stück aus der Zeit der Romantik wählte. So hatte sie fast alle Größen der bedeutendsten Orgel-Epochen in ihrem Programm.

Am kommenden Freitag, 12. August, 19 Uhr, wird der Berliner Florian Wilkes beim Leichlinger Orgelsommer zu Gast sein. Neben Bach wird er drei Werke von Nicolaus Bruhns präsentieren, der beim diesjährigen Programm im Mittelpunkt steht. Es ist das fünfte von sechs Konzerten in der Reihe Leichlinger Orgelsommer. Der Eintritt ist frei.