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Presseecho

Rheinische Post vom 11.9.2013

Orgelsommer endet mit vier Händen und Füßen

VON MONIKA KLEIN
LEICHLINGEN Zum Abschluss der sommerlichen Orgelkonzerte erlebten die Besucher, dass Musizieren Spaß machen kann. Den hatten Kantorin Tanja Luthner und ihr Wuppertaler Kollege Jens-Peter Enk bei der Vorbereitung eines Programms, das allein durch die üppige Besetzung mit vier Händen und Füßen die Voraussetzung für ungewöhnliche und nicht immer ganz ernsthafte Interpretationen bietet. Das Verrückteste war wohl die Kombination von Johann Strauss Walzern, bei denen die beiden Organisten vorübergehend die Hände in
den Schoß legen konnten und lediglich mit den Füßen spielten. Dies wurde von einer Kamera verfolgt und auf einer Leinwand in die Kirche übertragen.
Der amüsante Effekt erinnerte an die Wirkung beim Karneval der Tiere, wenn Saint-Saens ausgerechnet Schildkröten zur Can-Can-Vorfüh-rung in die Manege schickt. Hier mochte man walzerselige Elefanten vor dem geistigen Auge haben. Die Entdeckung der Langsamkeit stand überhaupt als internes Motto über weiten Teilen des Programms.
Bei Edward Elgars Marsch „Pomp and Circumstances", der bei den legendären Londoner Last Night of
the Proms immer Publikumsstürme entfacht, geriet jedenfalls niemand in die Gefahr, von der harten Kirchenbank zu springen und Fähnchen schwenkend in die Hymne „Land of Hope and Glory" einzustimmen. Nicht nur wegen fehlender Flags, Textunsicherheit und mangelndem Nationalgefühl, sondern weil der Klangspaß relativ nüchtern ausfiel und die bekannte Melodie ebenso verlangsamt durch die Kirche hallte, wie der Mittelteil bei einem anderen englischen Publikumsliebling, dem Halleluja aus Händeis Messias.
In beiden Fällen hätte man sich etwas von der Lebendigkeit ge-
wünscht, mit der das Duo Luthner/ Enk den bekannten Entertainer von Scott Joplin aufspielte. Aber zugegebenermaßen sind gerade die vermeintlich leichten und lockeren Programme technisch besonders anspruchsvoll, vor allen Dingen, wenn nicht ein Organist allein verantwortlich handelt, sondern zwei Musiker zu einer gemeinsamen Interpretation finden müssen und das mit ziemlich eingeschränkter Bewegungsfreiheit auf derselben Orgelbank.
Da klapperte es mitunter etwas beim Zusammenspiel. Als subtile Wahlwerbung war das Eingangsstück von Gustav Adolf Merkel si-
cher nicht gedacht. Seine Sonate für doppelte Organistenbesetzung war wohl eher wegen der beeindruckenden Wirkung, unter anderem einem echten Klang-Gewitter, ins Programm genommen worden. Zwei populäre Bach-Stücke, Air und Ba-dinerie, gab es ebenso wie die rauschende Toccata aus der 5. Orgelsinfonie von Charles-Marie Widor, hier in einer vierhändigen Bearbeitung mit eingeflochtenem Choral. Obwohl sie den ganzen Abend lang typische Zugabenstücke gehört hatten, bekamen die Besucher noch eine außerplanmäßige zum Saison-Schluss, nämlich einen gefühlvollen Tango.