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Presseecho

Rheinische Post vom 27.8.2013

Leichlinger Orgelsommer mit krassem Stil- und Stimmungswechsel


VON MONIKA KLEIN
LEICHLINGEN Wenn die Gastorganisten bei der Gestaltung ihrer Programme völlig freie Hand haben, dann kann es durchaus vorkommen, dass es zu Doppelungen innerhalb einer Veranstaltungsreihe kommt. Das war beim Leichlinger Orgelsommer tatsächlich der Fall. Nun wollte Wolfgang Abendroth beim sechsten Konzert der Saison nicht noch eine dritte Variante von Mozarts Andante F-Dur KV 616 liefern und regelmäßigen Besuchern einen Interpretationsvergleich aufzwingen. Er wich von der abgedruckten Folge ab und setzte ein kleines Adagio vom deutlich weniger bekannten Dresdener Komponisten Karl August Fischer an die Stelle.

Mit dem Sprung ins endende 19. Jahrhundert gönnte Abendroth seinem Publikum nicht nur einen neuen Höreindruck, sondern einen krassen Zeit-, Stil- und Stimmungswechsel mit anfänglich waberndem Klang und einer Registerfarbe, die er bis dahin noch gar nicht untergemischt hatte. Der junge Organist der Düsseldorfer Johanniskirche mit Lehrauftrag an den Hochschulen in Herford und Köln schien seine Freude daran zu haben, alle Facetten zu nutzen, die das Schuke-Instrument in der evangelischen Kirche Leichlingens bietet. Und er spielte mit der Möglichkeit, die zweigeteilte Orgel mit Hauptwerk über dem Altar und Chororgel über der Eingangstür in Dialog zu bringen.
Die große, rauschende Steigerung hob sich Abendroth für das romantische Finale mit der zweiten Orgelsonate e-Moll von August Gottfried Ritter auf, die sich in einer großen Schlusssteigerung zuspitzt. Vorwiegend aber war es ein Konzert der leiseren - und ganz nebenbei auch äußerst präzisen - Töne. Anders hätte er kaum so viele unterschiedliche Nuancen des Klangs aus dem Instrument zaubern können. Der Höhepunkt war jedenfalls nicht die sicherlich sehr fein gespielte Ritter-Sonate, sondern vielmehr die Triosonate C-Dur von Johann Sebastian Bach in der Mitte des Programms. Das kunstvolle Flechtwerk von drei unabhängigen Stimmen hat Wolfgang Abendroth zwar als geschlossene Einheit ohne kleinsten Spannungsverlust musiziert, dabei aber die einzelnen Stränge so aufgedröselt, dass jeder für sich klar wahrzunehmen war.
Wie ein unermüdlicher Motor trieb der Organist dabei das hoch virtuose Stück gleichmäßig pulsierend voran. Die bewegten Ecksätze trennte er mit einem empfindsam gespielten, zauberhaften Largo. Die unterschiedlichen Charaktere der d-Moll-Passacaglia von Johann Pachelbel präsentierte Wolfgang Abendroth in kontrastierenden Registerfarben. Ebenso gelungen wie abwechslungsreich war sein Einstieg mit der kompletten Suite du  Deuxième Ton von Louis-Nicolas Clérambault  - aus der ein Satz bereits vor drei Wochen an gleicher Stelle zu hören war.