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Ankündigungstext mit Frau Luthner: Solinger Tageblatt vom 17. Juli 2013

Kantorin zieht alle Register

ORGELSOMMER Freitag geht’s los – mit Winfried Bönig, dem Domorganisten aus Köln. Tanja Luthner ist zum Abschluss an der Reihe.


Leichlingen. Seit einem Jahr ist Tanja Luthner Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde.
Der 30-Jährigen gefällt es gut in der Stadt, die Arbeit bereite ihr sehr viel Freude. In den letzten sechs Monaten investierte die studierte Kirchenmusikerin einige Zeit in den Leichlinger Orgelsommer.
Die Mühe hat sich gelohnt. Ab Freitag (16. Juli) und bis zum 6. September kommen hochkarätige Organisten in die Kirche an der Marktstraße, um ihre Künste an der Schuke-Orgel zu demonstrieren. Wie immer seit 1985 bei freiem Eintritt; die Gemeinde freut sich über große und kleine Spenden!
Die aus Reutlingen stammende Tanja Luthner hat für den ersten Orgelsommer unter ihrer Regie ihre Kontakte spielen lassen. Ingo Bredenbach und Stephan Leuthold waren ihre Orgel-Dozentin in Tübingen. Außerdem schaffte sie es, Winfried Bönig, seit 2001 Domorganist in Köln, nach Leichlingen zu lotsen. Bönig leitet als Professor für künstlerisches Orgelspiel und Improvisation seit 1998 den Studiengang Katholische Kirchenmusik an der Musikhochschule Köln. Giorgio Parolini reist aus Italien an, Richard Brasier aus England. Alle Organisten werden privat untergebracht. 2014 steht Tanja Luthner weniger Arbeit bevor: „Ich habe schon diverse Zusagen.“ Und vielleicht kommt ja auch der international mehrfach ausgezeichnete und 2005 an die Dresdner Frauenkirche Samuel Kummer berufene in die Blütenstadt. „Er konnte dieses Jahr leider nicht.“
Die Leichlinger Organistin ist selbst zum Abschluss an der Reihe, gemeinsam mit dem Wuppertaler Jens-Peter Enk. „Vierhändig und vierfüßig zu spielen ist eine besondere Herausforderung.“
lc


 

Solinger Tageblatt vom 23. Juli 2013


Stadtkirche: Toller Orgelsommer-Auftakt
KONZERT Dom-Organist Winfried Bönig reißt das Publikum mit.

Von Jutta Schreiber-Lenz
Leichlingen. Trotz – oder gerade wegen – des wunderschönen Sommerabends waren viele interessierte Zuhörer zum Orgelsommer in die evangelische Stadtkirche gekommen. Eine runde Sache, die seit 1985 Tradition ist: Gut eineinviertel Stunden lang niveauvoller Hörgenuss in der von der tief stehenden Sonne ins Licht getauchten Kirche und danach im Innenhof des Gemeindehauses bei einem Imbiss nett zusammenstehen und plauschen.

Sicher zog auch der Name des angekündigten Solisten, denn mit Winfried Bönig gab sich kein geringerer als der Domorganist und Professor für künstlerisches Orgelspiel und Improvisation an der Musikhochschule Köln an der Schuke-Orgel der Stadtkirche die Ehre.
Die Erwartungen an das Konzert waren somit sicher recht hoch – und sie wurden in vollem Umfang erfüllt. Den Anfang machte er mit Bach – und platzierte zwischen das oft hintereinander gespielte Duo aus Präludium und Fuge in Es-Dur bewusst das Choralttrio über „Allein Gott in der Höh“. Bönig: „Die Fuge ist von Bach eigentlich immer für den Abschluss gedacht gewesen.“
Lang anhaltender Applaus von einem begeisterten Publikum.
Die „Passacaglia“ von Johann Caspar Kern, einem noch früheren Barockmusikmeister, klang herber und filigraner als die Werke von Bach. Auch in den elf Variationen von „Sei gegrüßt Jesu gütig“ präsentierte Bönig Bachs sakrale Lebendigkeit und seine runde und weiche Energie, mit der er den musikalischen Lobpreis gen Himmel spielte. Ebenso zog das eigentlich für eine Flötenuhr geschriebene Andante in F-Dur von Mozart das aufmerksam zuhörende Publikum vom ersten Moment an in seinen Bann. Ein Stück voller betörender Leichtigkeit, das auch auf der Orgel nicht von seinem Zauber einbüßte, ihn möglicherweise erst recht entfalten konnte. Mit dem Choral Nr. 3 in a-moll von César Franck schloss Winfried Bönig. „Dieser Komponist passt zeitlich einfach gut zur Schuke-Orgel!“, so sein Tenor. Die beeindruckende Klangstärke, mit der er den Blick mit Tönen zum Himmel schickte, setzte hinter diesen Satz ein berechtigtes Ausrufezeichen. Zum Schluss gab es lang anhaltenden Applaus.

WEITERE TERMINE
26. JULI Giorgio Parolini, Italien 2. AUGUST Stephan Leuthold, Ludwigsburg
VERANSTALTUNGSORT Der Orgelsommer findet freitags in der evangelischen Kirche an der Marktstraße statt. Der Eintritt zu den Konzerten ist frei.

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Rheinische Post vom 23. Juli 2013

ORGELSOMMER: Furioser Auftakt mit Organist Winfried Bönig


VON MONIKA KLEIN
LEICHLINGEN Mit einem Konzert der Extraklasse startete am Freitagabend die Ferienreihe Leichlinger Orgelsommer, in der bis 6. September, jeweils freitags um 19 Uhr, weitere sieben Gastspiele folgen. Mit einer zauberhaften Bach-Trilogie startete Winfried Bönig den Abend, der mit dem groß angelegten Choral a-Moll von Cesar Franck endete. Ein rundes Programm mit verschiedenen Stilen und Charakteren, das der Kölner Domorganist nutzte, um die unterschiedlichen Klangnuancen auszunutzen, die das Schuke-Instrument bietet. Und er nutzte vor allem die Möglichkeit, alles das zu machen, was ihm die Größe und die Akustischen Verhältnisse zu Hause im Dom versagen.

So zog er beispielsweise bei Präludium und Fuge Es-Dur ordentlich das Tempo an. Die kleine barocke Kirche erlaubt dieses sportliche Vergnügen, dem der virtuose Musiker allemal gewachsen ist. In diesem Raum verschwimmt nichts, alles blieb so klar und transparent, dass sich die Einzelstimmen mühelos verfolgen ließen und dennoch als große Einheit empfunden wurde. Das war natürlich nicht alleine ein Geschenk des Raumklangs, sondern der sorgfältigen Artikulation des Spielers geschuldet, dem es ganz offensichtlich selbst große Freude machte, unter anderen Bedingungen Musik zu machen.

Wie meistens in seinen Programmen trennte er, anders als die meisten Kollegen, Präludium und Fuge.
Auch Bach hätte die Stücke nie in einem Rutsch gespielt, begründete er in seiner kleinen Einführung zu Anfang. Schließlich waren die als Gebrauchsmusik für den sonntäglichen Gottesdienst gedacht, als Eingangs- und Schlussstück.

Anstelle des Gottesdienstes stand bei Winfried Bönig symbolisch das Choraltrio „Allein Gott in der Höh" mit anmutig duftigen Figurationen, die er wie endlose Girlanden über die Basslinie legte. Ein wundervoll leicht empfundenes Stück, so wie er auch später die elf Variationen der Bach-Partita „Sei gegrüßet, Jesu gütig" startete.

Bei dieser Folge setzte Winfried Bönig viele unterschiedliche Registerkombinationen ein, eine kleine Führung durch die klanglichen Möglichkeiten der Leichlinger Orgel, die hier in der Nummer elf schon mal ordentlich rauschen durfte. Vorher beim Üben der Passacaglia des frühbarocken süddeutschen Komponisten Johann Caspar Kerll habe er schon viel Freude gehabt, erzählte Bönig vorab.

Begeistert war auch das Publikum von der leicht pulsierenden Figuration, mit der er das etwas strengere Stück umkränzte, das sicher auch spröde hätte klingen können. Bei Mozarts zartem Andante E-Dur für eine Flötenuhr wurden die Ohren neu justiert, bevor Bönig zum rauschenden Finale überging, zur dritten und letzten „Choral" genannten Orgelfantasie, die Franck in seinem Todesjahr 1890 geschrieben und vermutlich selbst nie gehört hat.
Hier kamen die noch verbliebenen weiteren Möglichkeiten der Orgel zum Einsatz, mit schnellen Wechseln und großen dynamischen Unterschieden durch Schweller-Effekte. Ein rundum beglückendes Konzert.