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Kölner Stadtanzeiger vom 3. August 2012

Interessante, aber mitunter auch sperrige Beiträge

zur Musikgeschichte

ORGELSOMMER Kantor Thomas Pehlken serviert dem Publikum nicht gerade die übliche Kost


VON CHRISTIANE DOHMSTREICH


Leichlingen. „Ich halte das Programm für objektiv sehr interessant", sagt Thomas Pehlken, Kantor aus Bergheim, zu Beginn seines Konzertes anlässlich des Leichlinger Orgelsommers. Beethoven hat er mitgebracht, und ein Variationswerk über ein Beethoven-Thema vom Hermann Schroeder, der bis 1981 rund 50 Jahre Kirchenmusik an der Kölner Musikhochschule lehrte.
Nicht gerade die Kost, die üblicherweise bei Orgelkonzerten serviert wird. Pehlken wirkt ein wenig stolz darauf, dass er als einziger der Interpreten beim Leichlinger Orgelsommer kein Stück von Johann Sebastian Bach spielt und erinnert daran, dass Ludwig van Beethoven in den 1780er Jahren als Organist in Bonn wirkte. Die Fuge zu Beginn - Pehlken nennt diesen Programmpunkt „eine Art Zeitschriftenbeilage" - hat der zwölfjährige Beethoven als Bewerbungsstück für den Organistenjob komponiert. Das ausgesprochen barock klingende Werk bleibt nicht lang im Ohr; es hat tatsächlich eher musikhistorische Bedeutung. Auch das nachfolgende „Präludium durch alle Dur-Tonarten" erinnert ein wenig an Johann Sebastian Bachs Werke, ist aber - gerade ihnen gegenübergestellt - schlicht und ergreifend etwas langweilig.

Mitten in der Wiener Klassik angekommen ist Beethoven bei dem Adagio assai, einem von fünf Stücken für eine Flötenuhr. Die sanfte Süße, die hier heraus klingt, ist deutlich etwas anderes als die vorangegangenen polyphonen Versuche. Bei diesen wie auch bei den anderen Werken entsteht ein wenig der Eindruck, dass Thomas Pehlken sie unbestechlich und objektiv präsentiert - wie ein Musikwissenschaftler, der sein Publikum auf interessante Bestandteile des Archivs aufmerksam macht. Hermann Schroeders Beethoven-Variationen sind ganz sicher ein besonders interessanter Bestandteil. Die Musik Schroeders erinnert aber auch - manche vielleicht schmerzlich - daran, dass der Mann Musiktheoretiker war: Sie klingt etwas theoretisch, leidenschaftslos. Schroeder komponierte Kirchenmusik vor allem in Hinblick auf ihre liturgische Funktionalität. Thomas Pehlken spielt die Variationen dementsprechend mit großer Präzision und unemotional.

Die Transkription der Klavier-Sonate Opus 110 in As-Dur für Orgel hat Pehlken selbst geschrieben und so das Archiv um einen weitere interessanten Bestandteil erweitert. Zeitweise fehlt hier vielleicht die Beweglichkeit und Brillanz des Klavierklangs, um Beethovens Emotionalität zu transportieren. Bei der Fuge stellt sich dann das Gefühl ein „,ja, das passt", und man meint für einen Moment, der Orgel ihre Befreiung anhören zu können. Aber das ist natürlich auch sehr klischeehaft. Pehlken spielt das Werk absolut sicher und souverän.

Das Publikum bedankt sich für d Programm mit kräftigem Applaus der versandet, weil unklar ist, ob der Künstler sich oben noch einmal an die Orgel setzt oder hinunter kommt, um den Blumenstrauß in Empfang zu nehmen. So begleitet die Leute leichte Verunsicherung nach draußen.

Bergischer Volksbote vom 7. August 2012

Beethoven für die Orgel

KONZERT In der Kirche an der Marktstraße begeistert Thomas Pehlken mit seinen Interpretationen.


VON KLAUS GÜNTHER

Leichlingen. Der regelmäßige Besucher des Leichlinger Orgelsommers wird erstaunt auf das Programm des 5. Konzertes geschaut haben: Beethoven? Hat der denn auch für die Orgel geschrieben? Man muss wissen, dass der 12-jährige Beethoven, wohl auf Empfehlung seines Lehrers Neefe, in Bonn eine Organistenstelle bekam.
Die kleine Fuge, mit der er sich damals bewarb, stand am Beginn des Programms von Thomas Pehlken. Der Solist des Abends bekleidet neben seiner Tätigkeit als Kantor in Bergheim die Position des Kreiskantors für den Bereich Köln-Nord. Er ist dazu kompositorisch tätig und war als Konzertorganist nicht nur in Deutschland, Frankreich und Polen, sondern auch in China, Japan und in den USA erfolgreich. Beethovens Fuge ließ noch nichts von der „Pranke des Löwen" spüren, aber sein „Präludium" von 1789 war kompositorisch schon deutlich ambitionierter. 1792 ging er bekanntlich nach Wien und aus jener Zeit stammt noch ein „Adagio" für eine Flötenuhr, jenes mechanische Spielzeug, welches sich damals großer Beliebtheit erfreute und für das auch Mozart Werke geschrieben hat.

Thomas Pehlken spielte es mit großer Delikatesse. Wenn Sie auf dem Klavier, mit dem „f' beginnend, acht weiße Tasten anschlagen, haben Sie die „Lydische Tonart". In dieser Kirchentonart schrieb Beethoven den Dankgesang (3. Satz) in seinem Streichquartett opus 132. Das Werk ist wegen seiner extremen Schwierigkeiten berüchtigt „Was geht mich Ihre verdammte Geige an", sagte Beethoven einem Musiker, der sich beschwerte.

Sehr eindrucksvoll erklang am Freitag die Bearbeitung dieses Quartettsatzes, welche der Kölner Komponist Hermann Schroeder als Beethoven-Variationen" für die Orgel geschaffen hat Die Pianisten nennen die 32 Klaviersonaten yon Beethoven gerne ihr „Neues Testament". Besonders die drei letzten Sonaten führen die Gattung auf einen nie übertroffenen Höhepunkt.

Organist Thomas Pehlken hat die As-Dur Sonate, opus 110, für sein Instrument arrangiert. Er hielt gerade diese Sonate für eine solche Bearbeitung besonders geeignet, weil sie mehrere Fugen enthält. Sein Vortrag des Werks auf der Leichlinger Schukeorgel hielt die Zuhörer völlig im Bann und wurde als Höhepunkt des Abends empfunden.
Am kommenden Freitag, 11. August, 19 Uhr, spielt Michael Porr Bach, Mendelssohn und eigene Kompositionen