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Kölner Stadtanzeiger vom 30. Juli 2012

Vollendete Melodien bis zum Donnerschlag

ORGELSOMMER  Ein virtuoser Jens-Peter Enk

VON JAN STINC

Leichlingen. Dreizehn Takte schrieb Johann Sebastian Bach an seiner Fantasie in C-Dur. Dann blieb sie unvollendet. Zu schade wäre es, diese Musik in der Mottenkiste zu lassen. Daher schrieb der Kirchenmusiker Wolfgang Stockmeier das Stück zu Ende und Jens-Peter Enk eröffnete damit jetzt sein Konzert im Rahmen des Leichlinger Orgelsommers. Der Organist aus Wuppertal, Jahrgang 1971, forderte das Publikum in der Evangelischen Kirche auf, zu prüfen, ob es einen Bruch zwischen Bachs Original und der späteren Komplettierung wahrnähme.
Der Bruch war zwar nicht nach dreizehn Takten zu hören. Aber zum Ende hin schien die Fantasie in eine Endlosschleife geraten zu sein, die man bei dem erfrischenden Anfang nicht vermutet hätte. Enk ist aber ein souveräner Interpret und so klang es trotzdem mitreißend. Schnell hatte er den Punkt erreicht, an dem die Sakralmusik beim Zuhörer eine wohlige Versunkenheit, ein konzentriertes Lauschen fördert.

Mit Bach ging es auch weiter. Die drei Choralbearbeitungen zu „Allein Gott in der Höhe sei Ehr" aus den Leipziger Chorälen brachten Ruhe mit sich und mit einem traumwandlerischen Metrum brachte Enk eine jede Melodie zum Tragen - leise, ohne Spektakel der Orgelpfeifen. Das wiederum wurde in Niels Wilhelm Gades (1817-1890) festlichem Präludium über „Lobe dem Herrn" entfacht. Furios und in aller Feierlichkeit füllte es das Kirchenschiff.
Solist.
Romantisch folgte Felix Mendelssohns Andante mit Variationen in D-Dur, und die Orgel gurgelte so belebend, dass auch das Gewitter am Freitagabend vom Zuhören nicht ablenkte. In Franz Liszts Präludium und Fuge über Bach zeigte der Organist der Evangelischen Kirchengemeinde Unterbarmen sein virtuoses Können, das dem musikalischen Feinsinn in nichts nachsteht. Mit dem kanadischen Komponisten Denis Bedard (Jahrgang 1950) endete der Eine beschwingte Musik und pünktlich zum Einsatz der Final-Toccata gab es einen tüchtigen Donnerschlag. Der Applaus war ähnlich vehement.


Fortgesetzt
wird der Orgelsommer am Freitag, 3. August, 19 Uhr, in der Leichlinger Kirche an der Marktstraße durch den Organisten Thomas Pehlken aus Bergheim. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Bergischer Volksbote vom 30. Juli 2012

Romantische Töne beim Leichlinger Orgelsommer

KONZERT Jens-Peter Enk begeistert mit souveränem Spiel und interessantem Programm in der evangelischen Kirche.


VON KLAUS GÜNTHER

Leichlingen. War das letzte Konzert im Leichlinger Orgelsommer ganz der Musik von Johann Sebastian Bach gewidmet, so stellte Jens-Peter Enk gestern Werke des Thomaskantors an den Anfang seiner Vorträge und wandte sich dann der Romantik zu.

Die Orgel ist dem in Braunschweig geborenen Musiker seit frühester Jugend vertraut. Schon mit 13 Jahren wurde er in Peine als Organist fest angestellt. Neben einem kompletten Kirchenmusik-Studium mit A-Abschluss wirkte er als Chorleiter und konzertierte als Orgelsolist im In-und Ausland. Im theologischen Zentrum der Evangelischen Kirche ist er derzeit für die Kirchenmusik zuständig; gleichzeitig wirkt er als Kantor in der Gemeinde Unterbarmen.
Vom ersten Stück, einer Fantasie in C-Dur, faszinierte sein Spie! durch die geschickte Ausnutzung der Klangmöglichkeiten der Leichlinger Schuke-OrgeL In feiner Abstufung gestaltete er drei Bearbeitungen des Chorals „Allein Gott in der Höh sei Ehr" aus Bachs „Leipziger Chorälen". Gewaltige Akkorde türmten sich in einem festlichen Präludium über „Lobe den Herrn* von Niels Wilhelm Gade auf.
Gade gehört zu den Komponisten, die, zu Lebzeiten berühmt, von der Nachwelt vergessen wurden. Er war ein Freund von Felix Mendelssohn-Bartholdy, dem er in Leipzig als 2. Dirigent des Gewandhausorchesters zur Seite stand. Ein delikates „Andante mit Variationen D-Dur" erklang von Mendelssohn.
Zum 169. Mal jährt sich am 11. August der Auftritt von Franz Liszt in Solingen. Im Saale der Casino Gesellschaft gab er ein Wohltätigkeitskonzert. Der berühmteste Pianist seiner Zeit war auch ein Virtuose auf der Orgel. Jens-Peter Enk spielte Liszts „Präludium und Fuge über Bach", mit dem er die dynamischen Möglichkeiten der Orgel ausschöpfte.
Als Eklektiker darf man wohl Denis Bedard bezeichnen. In seiner „Suite Romantique" greift er ohne Scheu die Musiksprache von Liszt und Schumann auf. Enk fand mit ihr einen überraschenden, aber ansprechenden Schluss.