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Bergischer Volksbote vom 24. August 2012

Premieren-Fieber beim Leichlinger Orgelsommer

ORGELSOMMER Neue Kantorin Tanja Luthner gibt ihr erstes großes Konzert in der Stadt.


Von Kathrin Schüller
Leichlingen. Tanja Luthner ist in ihrer neuen Heimat angekommen. Gerade hat Leichlingens neue Kantorin ihre Wohnung bezogen, die letzten Kisten sind ausgepackt.
 „Jetzt freue ich mich auf das Konzert am Freitag", sagt die 30-Jährige, die ihre Baden-Württembergische Heimat nicht verleugnen kann (» Kasten). Zum Orgelsommer präsentiert sie ihr erstes Konzert mit Werken von Bach, Mendelssohn und Buxtehude. Auch Modernes hat sie ausgesucht: vom französischen Komponisten Olivier Messiaen.
Ihre Leidenschaft fürs Orgelspiel setzte Luthner um, nachdem sie ihr Abitur im Baden-Württembergischen in der Tasche hatte. „Ich habe mir sechs Monate Auszeit genommen". In dieser Zeit hat sie es geschafft, sich das Instrument so souverän anzueignen, dass sie die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Kirchenmusik in ihrer Geburtsstadt Tübingen abgelegt hat Was sie hier im Bachelor- und Masterstudium gelernt hat, im Berufsalltag umsetzen zu können, das fasziniert Tanja Luthner an ihrer ersten Stelle ganz besonders.
Stark machen will sie sich für einen Kinderchor mit Dritt- bis Siebtklässlern (Kontakt: Telefon 0 21 75/7 28 74). Auch ein Krippenspiel zu Heiligabend hat sie auf dem Plan. Außerdem denkt sie daran, eine junge Band mit Mitgliedern des Konfirmanden-Unterrichts in die Gestaltung der Gottesdienste einzubeziehen.
Vor den Ferien hat die Tübingerin ihre Stelle angetreten und sich gleich wohgefühlt. Inzwischen hat sie eine Ballettschule gefunden, um dem Tanzsport, den sie sehr liebt, auch an der Wupper nachgehen zu können. Als Stadtpflanze schätzt sie natürlich besonders die Nähe zu Köln.


HINTERGRUND
CHOR-MUSIK Wahrend ihres Studiums hat Tanja Luthner den Kantatenchor der Christuskirche in Reutlingen geleitet.
ORGELSOMMER Morgen Abend um 19 Uhr in der evangelischen Kirche an der Marktstraße Der Eintritt ist wie immer frei

Solinger Tageblatt vom 25. August 2012

Ein Debüt beim Orgelsommer

EV. KIRCHE In Programm und Spiel hinterließ Kantorin Tanja Luthner bei ihrem ersten Konzert einen hervorragenden Eindruck


Von Klaus Günther

Leichlingen. Seit dem 1. Juli ist Tanja Luthner Kantorin an der Evangelischen Kirche in Leichlingen. Gestern trat sie an, um in ihrem ersten Konzert, welches gleichzeitig das letzte im diesjährigen Orgelsommer war, den Beifall der Leichlinger Musikfreunde zu gewinnen. Wenn ein Vergleich mit dem Pokerspiel erlaubt ist: Sie gewann bravourös mit zwei Paaren und einem Ass.
Das erste Paar bestand aus Werken von Johann Sebastian Bach, den sie als ihren Lieblingskomponisten bezeichnet, und Dietrich Buxtehude. Bekanntlich wanderte Bach in jungen Jahren von Ansbach nach Lübeck, um dort bei Buxtehude Unterricht zu nehmen. Er war sogar als dessen Nachfolger an der Marienkirche im Gespräch, aber dazu hätte er eine Tochter des Meisters heiraten müssen. Tanja Luthner spielte die Präludien und Fugen der beiden Barockmeister frisch und mit kräftigem Zugriff. Sicher geleitete sie die zahlreich erschienenen Zuhörer durch die polyphonen Klanggeflechte.
Das zweite Paar machte mit der Musik französischer Orgelmeister aus dem 19. Jahrhundert bekannt. Louis Vierne (1870-1937) bekleidete, obwohl fast völlig blind, 37 Jahre lang die Organistenstelle an der Kathedrale Notre Dame in Paris. Der Ausschnitt aus seiner zweiten Orgelsinfonie brachte wunderbar romantische Musik, die auf der Leichlinger Schukeorgel großartig zur Geltung kam.

Zum Abschluss spirituelle Klänge von größter Eindringlichkeit
Alexandre Guilmant (1837-1911) wurde als Orgelvirtuose nicht nur in Europa, sondern auch in Kanada und den USA gefeiert. Sein „Marche religieuse" war ein pompöses Stück, dessen Finale im vollen Orgelplenum das Weihnachtslied „Joy to the world" anklingen ließ. Olivier Messiaen (1908-1992), das Ass im Pokerblatt, war eine unverwechselbare Persönlichkeit, der eine ganz neue Tonsprache für die Orgel entwickelte. Neben Vogelstimmen steht die Figur von Jesus Christus im Mittelpunkt seiner Werke. „Dieu parmi nous" - Gott ist mitten unter uns  - spielte Tanja Luthner zum Abschluss ihres Konzertes: spirituelle Klänge von größter Eindringlichkeit.
Zu ihrer Premiere konnte man ihr wirklich gratulieren. Da sie auch die Arbeit mit Chören leidenschaftlich liebt, wird sie in Leichlingen sicher noch Einiges bewegen.

Kölner Stadtanzeiger vom 27. August 2012

Schönheit bis zum letzten Moment

KIRCHE Die neue Leichlinger Kantorin Tanja Luthner beendet den Orgelsommer mit einem brillanten Konzert


VON FRANK WIEFEN

Leichlingen. Dass die Kirche an der Marktstraße an diesem vorletzten Freitagabend im August so gut besucht war, lag nicht nur am Ende der Orgelsommer-Konzertreihe 2012. Es lag wohl vor allem daran, dass mit Tanja Luthner eine Musikerin an den Tasten saß, die seit knapp drei Monaten neue Kantorin im evangelischen Gotteshaus der Stadt ist: Die junge gebürtige Tübingerin (Jahrgang 1982) feierte ihren ersten offiziellen Auftritt an neuer Wirkungsstätte - und bestand diese durchaus als kleine Prüfung zu bewertende Situation mit Bravour.

Luthner nämlich hatte sich für ein Konzertprogramm entschieden, das zeigte: Sie weiß um die Vorzüge klassischer Orgel-Literatur, verschließt sich aber auch nicht modernen Einflüssen und deren Schönheit. Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in a-Moll deckte das romantische Element ab. Dietrich Buxtehudes Präludium in a-Moll kam so stürmisch, feurig und aufschreckend daher, wie man es von diesem prototypischen Vertreter der Orgelmusik kennt. Alexandre Guilmants „Marche religieuse" klang mit aller Erhabenheit von der Empore herunter.
Louis Viernes „Cantabile" und „Final" aus dessen zweiter Sinfonie, im Bass schon beinahe jazzig, sowie Olivier Messiaens „Dieu Parmi Nous" aus „La Narivite du Seigneur" wiederum vertraten die Art von Orgelmusik, die es dem Hörer nicht so einfach macht wie Bach und Co., sondern ein Reiben am Werk, ein Sich-Erhören fordert.
Technisch vermochte Luthner ohnehin zu überzeugen: Man hörte, dass ihr liebstes Spiel das weiche, fließende ist, bei dem die Töne zwar ineinander übergehen, jedoch nie verschwommen daherkommen. Jede Note hatte ihren Platz, bekam ihren Klang geschenkt. Und doch klang nichts abgehackt und zersetzt, was für manchen, der sich an der Orgel versucht, ein zu schweres Unterfangen ist.

Luthner wechselte souverän zwischen leisen und lauten Passagen. Sie wusste um die Dramaturgie eines Stückes und legte eine starke Präsenz in den dräuenden Teilen der Kompositionen hin - ebenfalls eine Fähigkeit, die manch einem Kollegen abgeht: Wenn bei Buxtehude oder Guilmant der letzte Ton anstand, hielt die Kantorin diesen vier Sekunden und länger -  schien sich gar nicht in die Stille zwischen den Stücken begehen wollen. Schönheit bis zum letzten Moment genießen: wahrlich keine schlechte Idee. Das freute auch Zuhörer.

Rheinische Post vom 28. August 2012

Kantorin feiert Premiere beim Orgelsommer

VON MONKA KLEIN

LEICHLINGEN Dieser Abschluss des Leichlinger Orgelsommers ließ die Zuhörer hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und weckte Vorfreude auf weitere Orgelfreuden in der Evangelischen Kirche. Viele waren gekommen, um dort das erste große Konzert der neuen Kantorin Tanja Luthner zu erleben - und sie waren begeistert. Als sich vor genau einem Jahr Vorgängerin Bettina Strubel mit dem Orgelsommer-Abschluss von ihrer Gemeinde verabschiedete, herrschte eine eher bedrückte Stimmung. Niemand wusste, wie es musikalisch weitergehen würde und niemand konnte ahnen, dass mit der sehr viel jüngeren Nachfolgerin eine so starke Organistin einziehen würde.

Eine große Einheit
Nach einem anspruchsvollen Programm, mit dem sich Tanja Luthner eine echte Kraftprobe auferlegt hatte, gab es heftigen Applaus, den die gerade mal 30-Jährige mit eindeutiger Geste ganz bescheiden an das Instrument weiterreichte. Tatsächlich hat die feine Schuke-Orgel einiges geleistet an diesem letzten Tag der Saison, aber die neue Kantorin weiß auch genau, was sie aus der Königin herausholen kann.

Wenn Johann Sebastian Bach grundsätzlich die Messlatte bei Orgelmusik ist, dann hatte Luthner das Vorspiel schon nach dem ersten Stück bestanden. So frisch und zugleich klar gespielt und dabei so kernig und klangfreudig registriert hat man Bachs a-Moll-Präludium BWV 543 noch selten gehört. Und die dazugehörige Fuge war ein Vergnügen, zumal die Organistin jede der Stimmen auf dem Silbertablett präsentierte, die Struktur ganz genau durchhörbar machte und doch alles zu einer großen Einheit verband. Aber die erkennbare Freude an der Musik ihres Lieblingskomponisten verleitete sie nicht, sich dem Klang hinzugeben oder gar schleifen zu lassen. Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk führte sie das Stück zu Ende. Zeit zum Schwelgen, zum Entwickeln von Stimmungen nahm sie sich anschließend, denn da hatte sie mit Bedacht den größtmöglichen Kontrast an die zweite Stelle des Programms gesetzt.

Zwei Sätze aus der 2. Symphonie von Louis Vierne, Cantabile und Final, brachten zunächst Geheimnisvolles, Diffuses nach so viel barocker Ordnung und schließlich den vollen Sound, den die Orgel zu bieten hat. Neben Vierne, dessen 75. Todestag in dieses Jahr fällt, wählte sie mit Alexandre Guilmant einen zweiten Vertreter der französischen Orgelromantik, den „Marche religieuse" als eine Art Hommage an Bach und Händel. Außer einem klar und forsch gespielten Buxtehude-Präludium zelebrierte Luthner zum Abschluss große und wuchtige Musik aus Frankreich mit Olivier Messiaens „Dieu Parmi Nous", der neunten Meditation aus dem Zyklus „Nativite du Seigneur".