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Kölner Stadtanzeiger vom 13. August 2012

Festival schöner Klänge

ORGELSOMMER Opladener Kantor Michael Porr badet in Emotionen


VON CHRISTIANE DOHMSTREICH

Leichlingen. In der Kirche zu sitzen und Orgelmusik von Bach zu hören, macht - wenn der Organist gut spielt - einfach froh. Michael Porr, Kantor an der Bielertkirche in Opladen, spielt gut. Das Piece d'Orgue scheint strahlend und schön über der Welt zu schweben - und der Musiker auf souveräne Weise in diesen Klängen zu baden. Das drittletzte Konzert der Reihe „Leichlinger Orgelsommer" in der evangelischen Kirche an der Marktstraße ist somit ein Festival schöner Klänge. Neben Cesare Francks a-moll-Choral hat Porr außer dem Bach die Vater-Unser-Sonate von Felix Mendelssohn Bartholdy und zwei eigene Stücke mitgebracht.

Sein Nocturne erinnert an impressionistische Kompositionen, malt mit seinen Harmonien und der leisen Registrierung so etwas wie einen friedlichen Spätsommerabend in den Raum. Wieder etwas, um darin zu baden. Die Vater-Unser-Sonate, sagte Porr zu Beginn, liege ihm besonders am Herzen. Sie schließt sich vollkommen selbstverständlich an das Nocturne an, erinnert im weiteren Verlauf dann an den Bach zu Beginn. Porr spielt den Mendelssohn abwartend und distanziert, fast spröde, und lässt sehr deutlich werden, dass aus den Variationen des Vater-Unser-Chorals Bachsche Endgültigkeit klingt. Selbst der Schlussteil wirkt eher streng als tröstend. Porrs Aria ist ein fast meditatives, träumerisches Stück mit viel Bewegung in der Dynamik. Das Spiel des Opladener Kantors wirkt hier viel emotionaler, ohne dass er effektorientiert spielen würde. Eher hängt das mit einer veränderten Präsenz zusammen.

Eine gewisse Unruhe bei den Zuhörenden hängt dagegen mit dem steten Leid der Kirchenbesucher zusammen: „Da kriegst du ein lahmes Kreuz", flüstert eine Frau über die Pein der harten Kirchenbank und verlässt die Kirche. Einen Moment später hätte sie keinen Muskel mehr dafür rühren müssen; Die Musik katapultiert die Zuhörer quasi aus der Bank: Der Beginn von Francks a-moll-Choral strahlt eine verlorene Gequältheit aus, die jede Ruhe austreibt, einen kaum noch sitzen bleiben lassen kann. Die Virtuosität, mit der Porr das Stück spielt, gerät fast in Vergessenheit, so sehnsüchtig und getrieben klingt der Franck durch die Kirche. Sehr lange hält Porr den Schlussakkord, eine fast unerträgliche Anspannung.

Ein Festival schöner Klänge endet. „Lassen wir den Abend ein bisschen heiter ausklingen", schlägt der Kantor vor. „Wenn Sie eine Melodie erkennen, singen Sie doch einfach mit." Und spielt dann eine wunderschöne Jazz-Improvisation, in die das Publikum leicht, leise und sanft einsteigt: „Somewhere over the.rainbow" klingt es wie flüsternd durch den Kirchenraum. Und Porr sitzt an der Orgel, guckt sich das von oben an, und grinst zufrieden.


Der Leichlinger Orgelsommer wird am Freitag, 17. August, fortgesetzt: Johannes Quack aus Köln spielt um 19 Uhr in der Evangelischen Kirche, Marktstraße 15. Der Eintritt ist frei.

Rheinische Post vom 14. August 2012

Michael Porr beeindruckt beim Orgelsommer

VON MONIKA KLEIN

LEICHLINGEN Bei der Konzeption seines Programms habe er nicht ahnen können, dass es ausgerechnet an diesem Freitag im Leichlinger Orgelsommer nicht regnen würde, erklärte Michael Porr die eher ernste Auswahl. Deswegen improvisierte er als Zugabe nach einem Konzert mit drei großen und ernsten Stücken der Musikliteratur spontan etwas Heiteres, passend zum sommerlichen Wetter, das es endlich gestattete, den üblichen anschließenden Umtrunk im Freien zu veranstalten. Und der Kantor aus Opladen forderte die Zuhörer des gut besuchten Konzertes zum Mitsingen auf, sobald eine bekannte Melodie erkennbar werde. „Somewhere over the rainbow" schälte sich aus der jazzigen Chili-Musik heraus, die sich extrem vom vorangegangenen Programm absetzte.

Blinkende Sterne im August
Darin sorgte Michael Porr zwar auch schon mit eigenen Werken für ruhige Gegenpole zu den ausgewählten drei Monolithen der Musikliteratur, von denen sich jedes irgendwann zu ernsthaftem Pathos steigert. Sowohl sein leise registriertes Nachtstück „Nocturne", als auch die „Aria", deren melodischer Verlauf durch zartes Tongeflimmer umspielt wird, das blinkende Sterne in einer Augustnacht assoziieren mag, sorgten für Beruhigung und Erholung. In forschem Tempo hatte der Gastorganist aus dem Nachbarort den sechsten Abend im diesjährigen Orgelsommer eröffnet. Johann Sebastian Bachs Fantasie G-Dur oder Piece d'Orgue (BWV 572) beginnt zwar nur einstimmig, aber der Verlauf der Linie entzieht sich in diesem Tempo, suggeriert Mehrstimmigkeit und zarte glitzernde Prachtentfaltung.

Brausende Kaskaden
Umso heftiger die Wirkung des Wechsels zum getragenen homophonen fünfstimmigen Satz, ein pathetisches Schwergewicht, das in krassem Gegensatz zur vitalen Leichtigkeit des Anfangs steht, und anschließend wieder in brausende Kaskaden aufgelöst wurde. Hymnisch steigerte sich auch das Finale, Cesar Francks Spätwerk „Choral" a-Moll, das auf einer erdachten Melodie aufbaut und sich bis zu einem brausenden Abschluss steigert.
Dazwischen eine ausladende Komposition über einen echten Choral. „Vater unser im Himmelreich" - Kirchenlied und Gebet gaben das Tonmaterial und die Grundidee für Felix Mendelssohn Bartholdys sechste Orgelsonate, die zunächst die Brücke zu Bach schlug, weil sie den Geist dessen Choralpartiten atmet, sich dann aber mit den Mitteln der Romantik dramatisch steigert. Ein rauschendes Klangfest, dem Michael Porr nach einer kurzen Fuge einen beseelten Schluss folgen ließ. Als „Amen" versteht er dieses Ende, das keine thematische Beziehung mehr zum Choral hat.

Leverkusener Anzeiger vom 15. August 2012

Musik im barocken Kirchenschiff

ORGELSOMMER Leverkusener Organist Michael Porr begeistert mit Bach und eigenen Werken

Von Klaus Günther
Leichlingen. Die Größe von Johann Sebastian Bach liegt auch darin, dass er für Einflüsse verschiedenster Art orten war und diese in seiner Musik verarbeitete. Sein „Piece d'Orgue" nimmt den Stil französischer Orgelmusik auf. Nach schlichtem Beginn kommen immer mehr Stimmen dazu, bis sich das Ganze in einem wahren Katarakt entlädt
Michael Porr gelang mit dem Stück ein beeindruckender Einstieg in das sechste Konzert des Lcichlinger Orgelsommers. Der Organist ist Kantor der Biekrtkii • che in Leverkusen und Leiter des dortigen Bachchores. Eine CD mit Chorwerken aus seiner Feder ist im vergangenen Jahr erschienen. In Leichlingen spielte er zwei seiner Kompositionen für Orgel. Das „Nocturne" war eine zarte, sehr ansprechende Nachtmusik, die zum Träumen verleitete. Die „Aria" beeindruckte ebenso.
Sanfte Töne am Schluss des Vaterunsers
Hauptwerk des Abends war die sechste Sonate «Vater unser im Himmelreich" von Felix Mendelssohn Barthoidy. Mendelssohn schrieb seine Orgelsonaten auf Anregung seines englischen Verlegers Coventry. Michael Porr spielte die letzte dieser Sonaten sehr differenziert Er arbeitete du Bitten des Vaterunsers kraftvoll heraus und fand die sanftesten Töne für den Schlussteü. Cesar Franck wurde von seinen Schülern wegen seiner Bescheidenheit und seines freundlichen Wesens »Pater seraphicus" genannt. Der .Choral a-Moll", den Michael Porr zum AbschJuss seines Konzertes vortrug, ist ein Werk aus dem Sterbejahr des Komponisten. Die zahlreichen Zuhörer sparten nicht mit Beifall.
Beim Konzert am 17. August um 19 Uhr in der evangelischen Kirche an der Marktstraße springt der Moerser Kantor Axel Berchem für den erkrankten Johannes Quack aus Köln ein. Er spieh unter anderem Werke von Siegfrid Karg-Elert und Leon Bo-ellmann.