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Rheinische Post vom 10. Juli 2012

Orgelsommer-Start zwischen Blues und Explosivität

VON MONIKA KLEIN

LEICHLINGEN Die neue evangelische Kantorin begrüßte das Publikum zum ersten Konzert im Leichlinger Orgelsommer. Vorerst stellte sich Tanja Luthner den Orgelmusik-Liebhabern aber nur mit Worten vor. Die Taten auf dem schönen Instrument in der alten Barockkirche folgen erst am 24. August.
Das Eröffnungskonzert überließ sie der Kantorin aus Burscheid, Silke Hamburger, die nicht zum ersten Mal in dieser Kirche zu Gast war. Sie setzte gleich einen programmatischen Schwerpunkt. Groß und hymnisch begann sie die f-moll-Sonate Nr. 1 von Felix Mendelssohn Bartholdy, aus der sich ein starkes, dichtes Choralthema schält, gefolgt von einem beschaulichen Wohl-fühl-Adagio. Starke Wechsel, die Gegenüberstellung zweier unterschiedlicher Klangwechsel, danach verlangt das Andante recitativo an dritter Stelle der Satzfolge.

Fernwerk genutzt
Silke Hamburger nutzte dazu das Fernwerk auf der hinteren Empore, das sie zarter registrierte als das Hauptwerk über der Kanzel, außerdem ließ sie so den Sound im Raum hin und her wandern. Und schließlich folgte nochmals eine große Steigerung mit dem Finalsatz in virtuoser Manier mit Läufen und Arpeggien, die sich wie ein Wasserfall ergießen. Dieser Mendelssohn wäre nach der zarten Mozart-Fantasie und einer nicht ganz fehlerfreien Eröffnung mit Bachs Orgelmesse (Präludium und fuge in Es-Dur BWV 552) auch ein schöner Schlusspunkt gewesen. Doch bis zum Ende legte die Burscheiderin noch eine gehörige Portion Rhythmik und Ausgelassenheit nach.

„Petite suite in blue"
Jazzelemente nutzte Johannes Matthias Michel, Jahrgang 1962, für seine Komposition, deren Titel schon die Richtung ahnen lässt: „Petite suite in blue". Silke Hamburger präsentierte die fünf Sätze als ausgelassenen Spaß, bei dem sich die Organistin allerdings in Selbstbeherrschung üben muss, um die komplizierten Rhythmen nicht zu verschieben oder aufzuweichen. Zwischen überschäumendem Temperament gönnte sie sich und ihren Zuhörern einen Moment der Ruhe mit einem wabernden Blues, dessen zähfließende Schwere an den Charakter von Summertime erinnerte.
Zum Abschluss war ausgelassene Volksfeststimmung angesagt und zu den tänzerischen Rhythmen wurde eine Registerkombination gezogen, die den Ruch einer Kirmesorgel in die Kirche brachten. Der rechte Übergang für einen lockeren Ausklang beim anschließenden Umtrunk. Beim Orgelsommer sind Spenden am Ausgang erwünscht. Geld, das auch zur Restfinanzierung der Orgelerweiterung dient, die noch nicht ganz bezahlt ist