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Presseecho

Rheinische Post

vom 16. August 2011

 

Perfekter Orgel-Sommerabend


VON HORST SCHAUMANN

LEICHLINGEN. David Rumsey ist der Gast, den Bettina Strübel diesmal beim Orgelsommer an den Spieltisch ihrer beiden Orgeln in der Marktkirche eingeladen hat. Schon ein Blick ins Programm verspricht ein abwechslungsreiches Konzert, denn wo andere Solisten der von Kantor Wolf gang Hübner ins Leben gerufenen sommerlichen Orgelkonzerte bis zu acht Stücke nennen, kündigt Rumsey gleich 13 an.

Mit großer innerer Bewegung aber tut er vor dem Klang der Pfeifen seinen Dank kund, in der evangelischen Kirche an diesen Orgeln spielen zu dürfen. Zu einem kleinen Kolleg werden zum Schmunzeln des Publikums die Ausführungen zum Programm, in denen er vor allem die Bedeutung der Voluntarys in der anglikanischen Liturgie erläutert. Eine besondere Freude aber ist es für ihn, zum ersten Mal in seinem Leben Liszt zu spielen, weil Bettina Strübel angesichts des Liszt-Jahres allen Organisten diese Vorgabe gemacht hat. Mit dem oft gespielten Präludium in e-moll von Nikolaus Bruhns beginnt der 1939 in Sydney geborene Rumsey das Konzert ganz klassisch, lässt die Finger behende über die Manuale gleiten. Es folgen drei Stücke von Johann Sebastian Bach: „Da Jesus an dem Kreuze stund", „Liebster Jesu, wir sind hier" und „Christ lag in Todesbanden". Zwischen diese thematisch klar festgelegten Kompositionen setzt Rumsey drei thematisch ungebundene Voluntarys des Bachzeitgenossen William Hine, der in Oxford und London lebte und schließlich 20 Jahre Organist der Kathedrale in Gloucester war.
Für Glasharmonika geschrieben
Da sich Rumsey in seinem jetzigen Schweizer Wirkungskreis mit historischen Orgeln und Orgelaufnahmen beschäftigt, wundert es nicht, dass er Mozarts Adagio in C spielt, das dieser eigens für Glasharmonika geschrieben hat. Muten die zuerst gewählten Register im Gedanken an die zarten Glasschalentöne auch zu stark an, so zeigt sich doch schnell, dass Rumseys Adaption für die Orgel restlos überzeugt.
Seine eigene Komposition „Ice Music" hat Rumsey für seine eislaufende Tochter komponiert. Deshalb liegt dem Stück eine Choreografie zugrunde, die der Solist eingangs beschrieben und die der Hörer sich nun vorzustellen hat. Kinoorgelklänge kommen darin vor und natürlich das Glitzern des Eises, das durch den Einsatz des Zimbelsterns hörbar wird. Mit dem großartigen Finale aus Louis Viernes 1. Orgelsymphonie sollte das Konzert enden, doch angesichts großen Beifalls gibt's als Draufgabe die prächtige Toccata eines Belgiers, die eine gewisse Liebe zu Wagners Opern nicht verbirgt.
Das nächste Konzert wird Markus Beimann aus Düsseldorf gestalten. Der Kantor an der Düsseldorfer Maxkirche wird Orgelwerke von Buxtehude, dem Dänen Nils Wilhelm Gade, Mendelssohn Barthol-dy und Liszt spielen. Die Moderne wird mit Stücken von Olivier Messiaen und Mauricio Kagel vertreten sein (Freitag, 19. August, 19 Uhr).